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Tägliches Archiv 21. Juni, 2007

21. Juni, 2007

Hunde, wollt ihr ewig leben?

Ist doch erstaunlich, dass sich die Bevölkerung dieses Landes nach dem G8-Gipfel wieder ganz dem Tagesgeschäft widmet. Schließlich waren die Mehrzahl der Deutschen von der ungezügelten Polizeigewalt gar nicht betroffen. Und … Rechtsstaatlichkeit braucht man ja nicht, wenn es einen nicht selbst betrifft. Vielleicht wacht ja die eine oder andere Miez bzw der eine oder andere Kater in diesem Lande auf, wenn er sich die Rechtsverstöße durchliest, die von Polizeibeamten nach Zeugenberichten verübt wurden.

Selbstverständlich waren sämtliche Einsatzkräfte beim G8-Gipfel wohl nicht mit Dienstnummer gekennzeichnet, denn dies könnte ja die Identifizierung der polizeilichen Gewalttäter erleichtern. Da fragt man sich bei den aktuellen Debatten zu Anonymisierungsdiensten nur irgendwie, wieso ausgerechnet im Einsatz befindliche Staatsbeamte ein Recht auf Anonymität haben sollten.

Wie fasst doch der Hamburger Anwalt Dirk Audörsch in Telepolis die Vorgänge erschrocken zusammen:

“Die dokumentierten Vorfälle sind in ihrer Gesamtheit erschreckend und beängstigend zugleich, insbesondere in einem Staat, der für sich in Anspruch nimmt, ein rechtstaatlicher zu sein.”

So finden sich beispielsweise:

  • Einem in Gewahrsam genommenen wurde bei der Festnahme ein T-Shirt über den Kopf gezogen und im Nacken verknotet, so dass er nicht mehr sehen konnte. Er wurde gefesselt und mehrmals mit dem Kopf auf den Boden geschlagen.
  • Eine Vielzahl von Menschen wurde bei der Festnahme geschlagen und verletzt und ohne ärztliche Versorgung in Gewahrsam genommen.
  • Einem Clown wurde grundlos eine ca. 30cm große Gasflasche ins Gesicht geschlagen. Clowns wurden gezwungen Wasser aus ihren Wasserpistolen zu trinken.
  • Festgenommenen wurden in den Gefangensammelstellen Medikamente und Hilfsmittel wie z.b. Asthmaspray und Brillen abgenommen. Mehr als 50 Personen waren über einen Zeitraum 11 Stunden mit Kabelbindern mit den Händen auf dem Rücken gefesselt.
  • Mindestens drei Betroffene wurden nach der Ingewahrsamnahme oder während Demonstrationen geschlagen, in hilflose Lagen versetzt und mit dem Tode bedroht. In jedem Fall wurde der Eindruck hervorgerufen, ein Weiterprotestieren werde zur Tötung durch Polizeibeamte Folge haben. In einem Fall wurde auch das Verschwindenlassen angekündigt.
  • Bei Kontrollen an einer S-Bahn-Station nahe dem Camp Rostock Fischereihafen griffen Polizeibeamte Frauen in den Schritt und machten dabei anstößige Geräusche. Darüber hinaus mussten sich mehrere Frauen bei Kontrollen vor männlichen Beamten ausziehen.

Nun … den Schilderungen zufolge dürften die beteiligten Polizeibeamten wohl keine Probleme haben, einen neuen Job zu finden, wenn die Vorfälle doch vor einem ordentlichen Gericht landen sollten. Jede Militärchunta wird sie wohl mit Kusshand nehmen.

Ansonsten leben in diesem Land wohl immer weniger Katzen und immer mehr Hunde … heisst es doch, diese würden sich ihren Herren gehorsam unterordnen und die ihnen zugetragenen Befehle nicht hinterfragen. Fragt sich nur, wie lange es noch bereitwillig Futter fürs Hundevolk gibt.

Nun … Hunde, wollt ihr ewig leben? ^^

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