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28. Februar, 2008

StudiVZ hilft den Ermittlungsbehörden - “Gott sei Dank!”

Toll, wie Spiegel Online Herrn Riecke, den StudiVZ-Geschäftsführer zitiert:

SPIEGEL ONLINE: Konkret: Zu Ihnen kommt ein Staatsanwalt mit 30 Fotos aus StudiVZ-Profilen, die Leute anscheinend beim Kiffen zeigen. Er verlangt Klarnamen zu den Profilen und allen Kommentaren. Was machen Sie?

Riecke: Gott sei Dank dürfen wir bei Ermittlungsersuchen solche Daten nun herausgeben. Nutzungsdaten speichern wir bei allen Nutzern, die uns das erlaubt haben durch ihre Einwilligung.

Da ist der Kater wirklich sprachlos - dass die umstrittene StudiVZ-AGB-Änderung für personalisierte Werbezwecke verlockend war, sehe ich ja noch ein. Dass damit nun endlich die Daten auch an die Ermittlungsbehörden gegeben werden sollen, ist - gelinde gesagt - eine Zumutung.

Da ist die Richtigstellung von Samir Barden schon interessant zu lesen. Eine vergebliche Mühe, die Wogen zu glätten - aber im Kern die Bestätigung: Nur weil eine Strafverfolgungsbehörde StudiVZ mal “ersucht”, Daten herauszugeben, wird das gemacht. Ganz tolles Kino. Da schreibt er:

In diesem Artikel hieß es zum Beispiel, dass wir Euch - salopp formuliert - an die Polizei verpetzen wenn wir Bilder von Euch beim Konsum von Cannabis sehen.

Diese Schlagzeile wurde eine halbe Stunde nach Veröffentlichung und einer Aufforderung zur Richtigstellung durch uns zwar abgemildert, was die Weiterverbreitung über andere Medien aber nicht verhindert hat.

Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie sauer wir über diese Art der Berichterstattung sind.

Mal ehrlich, wenn StudiVZ sooooo sauer wäre, dann wäre der Artikel offline oder mit einer angemessenen Gegendarstellung verziert bzw. die einstweilige Verfügung schon auf dem Weg. Aber wie gesagt … eigentlich hat der Spiegel das ja schon ganz gut zusammengefasst:

Dass wir Daten an Strafverfolgungsbehörden - also Polizei und Staatsanwaltschaft - herausgeben müssen, wenn diese uns ein schriftliches Auskunftsersuchen zukommen lassen, ist weder neu noch unseriös, sondern dient letztlich Eurem Schutz.
[…]
Ein Auskunftsersuchen ist immer mit einer Anzeige verbunden, die von den Geschädigten erstattet wurde, zum Beispiel einem Nutzer aus Euren Reihen.
Das wird überall genauso gehandhabt und hat nichts mit Spionage zu tun!

Ach wirklich? Also wenn hier die Polizei anrückt und mich beispielsweise zu einem Nachbarn befragt, dann muss ich erstmal gar nichts. Egal, wie nett der Beamte auch immer ist. Achso, und ich kann mich ganz gut davor schützen, dass mir irgendwelche Nazis ‘ne Mail schreiben. Beispielsweise durch ungelesenes Löschen…

Na mal sehen, der Kater hat sich bei obigem Herrn erstmal mit folgendem Brief beschwert:

Ich finde es eine Sauerei, dass ihr auch noch offen zugebt, Strafverfolgungsbehörden quasi wohlgefällig (was anderes ist eine Antwort auf ein “Auskunftsersuchen” wohl nicht) mit Daten zu versorgen und da ist es mir ziemlich egal, ob es sich um Kifferbilder oder sonstwas handelt.

Defacto heisst dass, dass auch ich (selbst wenn ich mich an die Gesetze dieses Landes halte) einem nicht kleinen Risiko ausgesetzt bin, dass ich in die - ziemlich groben - Mühlen der Strafverfolgungsbehörden zu gelangen; vielleicht weil mir irgendjemand, der was angestellt hat, eine Mail geschrieben hat oder weil ich Mitglied irgendeiner Gruppe bin, die vielleicht in eine gewisse Ecke geschoben wird.

Ich verbitte mir deshalb ausdrücklich die freiwillige Herausgabe irgendwelcher personenbezogener Daten von mir incl. der Tatsache, dass es mich bei StudiVZ überhaupt mit einem Account gibt, an jedwede staatlichen Organe. Wenn die irgendwelche Daten wollen, dann sollen sie sich ‘nen richterlichen Beschluß holen und die Daten per Durchsuchungsbefehl beschlagnahmen; dann kann ich oder ihr im Zweifelsfall wenigstens Rechtsmittel einlegen und man kann wenigstens hoffen, dass jemand die Rechtmäßigkeit des Anliegens prüft. Ansonsten ist dem Dummenfang der Behörden doch Tür und Tor geöffnet.

Mit freundlichen Grüßen

Der Kater ist neugierig, ob es eine Antwort gibt. Vielleicht wird StudiVZ ja nun auch endgültig von einer Kündigungswelle überrollt - zu wünschen wäre es bei einem derartig unsensiblen Umgang mit den Mitgliederdaten auf alle Fälle.

Ja, ich bin echt sauer - sowas gibts selten bei Katern… ^^

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