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6. November, 2011

For a very special cheshire cat…

Es war einmal in einem fernen Land vor unserer Zeit, es war ein ganz anderes Land, als wir es kennen, und obwohl manche meinten, die Unterschiede wären ganz unwichtig, so war es doch eine ganz andere, farbigere Welt als die unsere. Das weite Land leuchtete im Sommer grün vom saftigen Gras und die Luft duftete im Sommer nach abertausenden bunter Blumen, die überall blühten. Am Morgen spiegelte sich die Sonne in den vielen Tautropfen wie Diamanten und hätten in diesem Land Menschen gelebt, so hätten sie das warme weiche Gras an ihren Füßen spüren können.

In diesem Land lebten viele tausend Katzen und weil es ein besonderes Land war, so waren auch die Kater und die Miezen etwas ganz besonderes. Sie liebten ihr Katzenreich, spielten den ganzen Tag, waren fröhlich und mochten ganz besonders, mit einem lauten Wusch den großen Geröllberg herunterzurutschen, der sich inmitten ihres Landes befand. Und wie es in märchenhaften Ländern nun mal ist, waren auch die Katzen märchenhaft. Jede hatte ein prächtiges buntes Fell, manche schillerten in einem dunklen Grün mit orangenen Tupfen, andere wiederum waren lustig gelb und blau gestreift und die schönsten aller Miezen und Kater leuchteten prächtig in allen Farben des Regenbogens.

Nun gab es dort eine Miez, die etwas ganz besonderes war. Sie stammte nicht aus diesem Land und hatte nicht so ein schönes, prächtig schillerndes Fell mit den begehrten, wie aus einem Prisma stammenden Farben. Ursprünglich kam sie aus einer anderen fernen Gegend, und dort waren alle Katzen in unterschiedlichen Rot- und Brauntönen gescheckt. Es hatte lange gedauert und sie war als kleines Kätzchen viel herumgezogen, bis sie in unserer bunten Welt endlich eine Art Frieden gefunden hatte. Zwar waren, wie wir wissen, die rotbraunen Miezen die klügsten des ganzen Universums, aber trotzdem war ihr Heimatland trostlos und feindlich. Oft gab es Wölfe, die nachts die friedlich schlafenden Fellknäule angriffen und so lernte unsere Miez schon früh, sich zu verteidigen und schärfte Ihre Krallen, so sehr sie nur konnte. Ihr rotbraunes Fell war damals sehr hilfreich, denn wenn sie sich ganz nah an den Boden drückte, so konnte sie kein Wolf von einem achtlos aufgewühlten Haufen Erde unterscheiden und sie konnte sich überlegen, ob sie nun ganz leise und flach atmet und wartet, bis die Gefahr vorbei war oder ob sie plötzlich aufsprang und den Wolf so überraschte, dass sie ihm mühelos mit ihren scharfen Fangzähnen die Kehle durchbeißen konnte.

Einerseits war sie stolz darauf, dass sie immer wusste, wie sie sich verteidigen könnte und in Notwehr hatte sie auch schon ein paar furchteinflößende Wölfe erlegt, andererseits hatte sie aber auch ein gutes Herz und mochte doch den anderen Wesen, selbst wenn sie böse waren, nicht wirklich wehtun. So sah sie keinen anderen Ausweg mehr und ging auf Wanderschaft. Sie kam durch viele unterschiedliche Länder, in einem lebten beispielsweise fröhliche grüne Leguane miteinander und da sie auch ein fröhliches Kätzchen war, wollte sie mit den Leguanen Freundschaft schließen, doch die sahen ihr an, dass ein rotbraungeschecktes Kätzchen wohl immer anders als ein Leguan sein würde und ignorierten sie.

Aber da unsere kleine Katze sich schon immer zu helfen wusste, schlich es eines Nachts vorsichtig in den Wald und während sie Angst hatte, dass das Knistern ihrer Pfoten im Gestrüpp vielleicht die Leguane aufwecken könnte, suchte sie sich im fahlen Mondlicht die saftigsten grünen Kräuter, die sie finden konnte, nahm sie zwischen die Vorderpfoten und rieb sie mit etwas Tau solange, bis daraus eine kräftige grüne Farbe entstanden war. Und nachdem sie den angenehm riechenden Brei sorgfältig in ihrem Fell verteilt hatte und ein paar Mal leise auf der Stelle hüpfte, so dass er vom warmen Nachtwind bald getrocknet war, so streunte sie in ihre Höhle zurück und freute sich auf den nächsten Tag.

Und siehe da, es funktionierte. Kaum stand sie auf und lief als graskräutergrünes Kätzchen an die frische Luft, schon waren die Leguane neugierig auf ihren neuen Artgenossen, spielten schnell mit ihm und schon bald hatte unser Kätzchen viele Leguan-Freunde. Trotzdem sehnte es sich nach wirklichen Artgenossen und so zog es eines Tages weiter durch die Lande, aber lange Zeit hatte es kein Glück. Immer waren dort andere Tiere und auch wenn ihr Farbtrick immer funktionierte und sie im Laufe der Zeit ganz genau wusste, wie sie jede Farbe des Universums zusammenmischen konnte, so war sie doch nie wirklich glücklich.

Und so begab es sich, dass sie eines Tages im Katzenreich ankam. Sie freute sich und war überglücklich, dass überall Kater und Miezen herumtollten und wollte mitspielen, aber auch wenn sie ein wenig Anschluss fand, so war ihr rotbraunes Fell doch für die meisten zu unscheinbar und sie blieb traurig, denn sie wünschte sich nichts mehr, als genau so geliebt zu werden, wie sie eben war. Klar wusste sie mit den Farben umzugehen, und so schlich sie sich immer öfter nachts heimlich in den Wald und zauberte aus bunten Blumen und süßen Kräutern die schönsten Farben und immer, wenn sie dann am nächsten Morgen auf der grünen Wiese mit den bunten Blumen erschien, so strahlte ihr Fell ganz besonders prächtig in allen Farben des Regenbogens. Schnell fanden sich ein paar Kater, die sie begehrten und manchmal gefiel ihr auch ein besonders schillernder Kater mit ausgefransten Ohren, und selbst wenn sie ein wenig mit ihm streunen ging und spielte, so blieb ihr großes warmes Herz doch traurig und es nagte die Sehnsucht ihn ihr, jemanden zu finden, der hinter das Fell blicken konnte und für den sie sich nicht mehr verstellen müsste.

Nun wurde das Land von einem weisen Kater regiert. Er war eigentlich ein ganz normaler Kater, vielleicht hatte er ein bisschen mehr erlebt als die anderen und wusste auch in vielerlei Situationen Rat, aber er kümmerte sich gut um sein Gefolge, streunte oft durch das Katzenreich und ward von den meisten Katern und Miezen angesehen und gemocht. Doch auch er war traurig, denn auch er war alleine. Als Baby war unser Kater in ein tiefes Loch mit vielerlei giftigen Pflanzen gefallen und auch wenn er überlebt hatte, so war er seit dieser Zeit fast farbenblind und konnte nur noch wenige Farben auseinanderhalten. Die meisten Dinge sah er nur in unterschiedlichen Grautönen und nur wenige rote und braune Farben konnte er noch wahrnehmen.

Und so viel und so gern er auch über die schöne große Wiese streunte und viele der Miezen seines Katzenreiches kannte, alle erschienen ihm trotz ihres prächtig schillernden Fells nur in langweiligem Grau. Er fand das nicht schlimm und oft sogar angenehm, bot es ihm doch die Möglichkeit, hinter die Fassade zu schauen und so konnte er auch oft einen Streit schlichten, weil es ihm dadurch leicht fiel, alle Kater und Miezen seines Volkes gleich und wohlwollend zu behandeln. Trotzdem wusste er auch, dass er nie mit einer so langweilig grauen Miez glücklich werden würde.

Eines schönen Herbsttages lief er wieder durch sein Reich und heute hatte er ganz besonders gute Laune, denn alle Bäume hatte ihre Blätter schon abgeworfen und sie lagen gelb und rot und braun auf dem Boden und so hatte er einen Riesenspaß daran, in den bunten Haufen zu springen und das Knistern der Blätter unter seinen Pfoten zu hören und zu fühlen, welche der Blätter noch trocken und welche schon ein bisschen moderig waren.

Und da die Sonne noch immer warm auf sein Fell schien, vergaß er die Zeit und traf unser Kätzchen, die mittlerweile schon zu einer prächtigen Katze herangewachsen war und wie immer mit ihrem sorgfältig aufgetragenen Farbkleid herumlief, was in den schönsten Regenbogenfarben schillerte. Er hatte sie noch nie zuvor gesehen und zwar war sie für ihn genauso grau wie die anderen, aber er mochte sie auf den ersten Blick und so setzte er sich neben sie und erzählte ihr von seinem Leben. Unsere Miez, die immer noch ängstlich war und nicht wusste, dass ausgerechnet der Herrscher des Katzenlandes fast keine Farben sehen konnte, war ein wenig schüchtern und erzählte nur wenig aus ihrer bewegten Geschichte, hatte sie doch Angst, dass jemand sie durchschauen und ihr wahres Ich wahrnehmen konnte, denn ihr warmes großes Herz wollte doch endlich geliebt werden und hätte wahrscheinlich nicht verkraftet, wenn sie erneut verstoßen werden würde.

Und während sie also im Laub saßen und ein wenig über das Katzenreich plauderten, bemerkten sie gar nicht, dass sich der Himmel mittlerweile mit tiefen dunklen Wolken zugezogen hatte und erst als ein fürchterlich lauter Donnerschlag ertönte, schreckten die beiden aus ihrem Gespräch hoch. Die Miez hatte Angst und wollte weglaufen, aber der Kater beruhigte sie, dass Katzen doch keine Angst vor einem Gewitter haben müssten. Gleichzeitig hatte es angefangen, fürchterlich zu regnen und wo sie sich umsahen, gab es weit und breit keinen Unterschlupf, wo sie ins Trockene hätten flüchten können.

So beschlossen die beiden, das Beste aus der Situation zu machen und tollten im Regen herum, bis das Wasser in großen Bächen aus ihren Fellen ran und sie bis auf die nackte Haut pitschenass waren. Unsere Miez hatte ganz vergessen, dass der Regen die ganze Farbe aus ihrem Fell gewaschen hatte und als der Kater sie nach kurzer Zeit anschaute, so war er sehr erstaunt und konnte erst gar nicht fassen, dass die Miez, die eben noch ein langweiliges graues Fell hatte, plötzlich wunderschön in allen vorstellbaren roten und braunen Schattierungen leuchtete. So etwas Anmutiges hatte er noch nicht gesehen und ihm hüpfte das Herz bis zur Katerkehle. Als die Miez bemerkte, dass sie nun ganz mit ihrem ursprünglichen Fell vorm Herrscher des Katzenlandes stand, erschrak sie erst fürchterlich, aber als sie merkte, dass der Kater sie ganz verzückt ansah, so fasste sie sich ein Herz und erzählte ihm erst stockend und dann immer schneller ihre Geschichte. Der Kater nun wiederum erzählte ihr von seiner Farbschwäche und dass er überglücklich ist, nach so langer Zeit endlich eine so wunderschön gescheckte Miez gefunden zu haben. Immer weitere Geschichten kamen ihnen ins Gedächtnis und sie kuschelten sich aneinander, um sich zu wärmen und unterhielten sich noch den ganzen Tag und die ganze Nacht, bevor sie todmüde und überglücklich, nun endlich jemand gefunden zu haben, der sie nimmt, wie sie eben sind, nach Hause streunten.

Leider ist nicht überliefert, was dann geschah, aber die Legende erzählt, dass schon nach kurzer Zeit die Augen des Herrschers über das Katzenreich zu leuchten begannen, wie es die Untergebenen nie zuvor wahrgenommen haben und auch wenn sie sich wunderten, dass die Höhle unserer Herrscherkaters plötzlich in seltsamen rotbraunen Farben gestrichen war, so verbreitete sich die Fröhlichkeit unseres Herrschers doch schnell über das ganze Land und es grünte und blühte noch viel schöner als es sich je jemand in seinen Träumen hätte vorstellen können. ^^

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