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26. Juni, 2007

Nachtgeschichten - 2

Vor vielen, vielen Jahren gab es eine Zeit, wo die Nacht noch Macht über den Tag hatte. Unzählige Male zeigte sich die Sonne und versuchte, die ausgedehnten grünen Wälder zum Leben zur erwecken. Doch erst, als der Mond die Sonne ablöste und die Sterne friedlich am Himmel erschienen, erwachten die Tiere langsam und waren bereit für eine neue Nacht.

Schon damals gab es Katzen und Kater, sie waren fröhliche Wesen, sie tollten herum und spielten miteinander und freuten sich, dass sie am Leben waren. Immer gab es etwas zu entdecken, und so streunten sie flink und sanft durchs Unterholz oder kletterten in den Wipfeln der uralten Bäume herum und sprangen von Krone zu Krone.

Doch immer, wenn die Nächte wärmer wurden und die Bäume schon einige Zeit ihr Kleid aus Schnee und Eis verloren hatten, dann erwachte in den anmutigen Lebewesen der Nacht eine tiefe Sehnsucht nach einem fernen, unsagbar schönen Gefühl. Ihre Augen begannen zu leuchten und sie wussten, dass sie ihre Heimat verlassen müssen, um dieses Gefühl einzufangen und ihre Sehnsucht zu befriedigen.

Lange streiften sie durch das Land, und getrieben von einer inneren Unruhe entdeckten sie immer fernere Wälder und Wiesen. So manche Katze verlor dabei den Mut, dass sie jemals etwas finden würde, was ihr rastloses Herz heilt. Doch wenn die Sterne besonders günstig standen und die Götter der Nacht milde gestimmt waren, dann sendeten sie einem Kater und einer Katze Zeichen, um sie auf den rechten Weg zu bringen. Nicht jeder konnte sie erkennen - vielleicht war es nur ein besonders stark flackerndes Glühwürmchen oder ferne Schreie eines Vogels - aber wer sein Herz geöffnet hatte, konnte darauf hören und wusste plötzlich, in welche Richtung der Weg führt.

Und wenn die beiden dann dem Weg des Herzens folgten, dann fanden einen kleinen See im fahlen Licht des Mondes. Und wo sie sich erblickten, dann leuchteten ihre Augen und plötzlich wussten sie, dass sie füreinander bestimmt waren. Sie umarmten sich zärtlich und schauten auf die silberne Spiegelung des Mondes auf den unmerklichen Wellen des Wassers. Sie waren am Ende ihrer Reise angekommen.

Seit dieser Zeit sind viele Jahre vergangen, die Sonne hat die Nacht besiegt und selbst die kläglichen Reste der Dunkelheit werden von bunten Lichtern durchschnitten. Die Zeiten sind schwieriger geworden, und nicht wenige Katzen und Kater hetzen durchs Leben.

Der Silbersee jedoch existiert noch heute… ^^

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